Sie vermehren sich durch Zellteilung

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Für mich ganz egozentriert persönlich war das wichtigste an der Reise nach Aachen am 23. Januar 2016, dass es die erste längere Fahrt mit dem neuen Czech-Mobil war. Wenn wir aber nach allen gängigen Klischees gehen, dann hätte das die von mir zwecks Lesung besuchte Akademische Damenverbindung Laetitia zu Aachen selbst dann nicht interessiert, wenn es ihr und nicht mein neues Czech-Mobil gewesen wäre. Außerdem ist es natürlich meinerseits über die Maßen unverschämt, ein Auto an diesem Tag für wichtiger zu erachten als die Schar charmanter Damen, die mich nach Aachen eingeladen hatte. Und natürlich hatte ich das Auto sofort vergessen, als ich der Grazien ansichtig wurde… So jedenfalls mein kläglicher Versuch, den Einstieg mit dem Auto wieder gut zu machen. Weiter im Text.

Und wieder lebt der Autor in Saus und Braus

Und wieder lebt der Autor in Saus und Braus

Heißen Grazien eigentlich Eva? Oder wie heißen Grazien? Mythologisch ganz streng genommen heißen sie nicht Eva sondern Euphrosyne, Thalia und Aglaia. In Aachen muss es sich also doch eher um Nymphen oder Sirenen gehandelt haben, die wesentlich polynymer auftreten als die nur genau drei graziösen Töchter des Zeus und der Eurynome. 80-90% der Damen bei der ADV Laetitia hören nämlich auf den Namen Eva. Woher das kommt, weiß niemand so genau. Ist aber keine Fake News. War zumindest im Januar 2016 so. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass „Laetitia“ weder Grazien- noch Nymphen- noch Sirenen-Name ist, sondern „Freude, Fröhlichkeit“ bedeutet und der Name einer als „eher unbedeutend“ klassifizierten römischen Göttin ist. Was übrigens bei näherer Betrachtung gewisse Zweifel an der angeblich so ausschweifenden Lebensfreude der damaligen Stiefelbewohner aufkommen lässt, wenn sie der „Freude, Fröhlichkeit“ nur göttlichen Komparsenstatus zukommen ließen. Aber sei’s drum – weiter mit Freude und Fröhlichkeit.

Auf eine gewisse Art fröhlich stimmte mich sogleich die Wohnsituation der ADV Laetitia. Denn diese teilt sich das Haus sozusagen (Details sind mir zu langwierig) mit dem K.St.V. Alania-Breslau – und sowas hätte es ja wohl früher nicht gegeben, Herrschaftszeiten!! Aber zum Glück ist ja nicht mehr „früher“, auch wenn das der eine oder andere Leser dieses Blogs vermutlich anders sieht, und so spricht natürlich gar nichts dagegen, dass sich die fröhlichen Damen mit den katholischen Jungs eine Bude teilen. Ob und wie intensiv sie sich dabei auch durch Zellteilung dem personellen Erhalt des Verbindungswesens widmen, vermag ich nicht zu beurteilen.
(Anmerkung der Redaktion: Ja, das mit der „Zellteilung“ ist aus einem der urältesten Witze geklaut: „Wie vermehren sich Nonnen und Mönche?“ …)

Na, und dann hab ich halt vorgelesen. Wie immer. Voll spannend, oder? Na gut, nicht ganz wie immer, sondern wie manchmal auch mit ein paar Texten aus den Poetry Slam Aktivitäten dabei, weil das so gewünscht war – zum Beispiel darüber, dass Sitzen ja das neue Rauchen ist und was das für die Gastronomie bedeutet. Aber letztlich lese ich ja dann immer früher oder später vor, und deswegen ist das ist nicht so spannend. Also, wenn ich vorlese ist das natürlich total spannend, nur jetzt darüber erzählen ist es halt nicht. Deswegen fragen wir uns doch lieber, was noch besonders war. Den schwarzen Burschenschafter namens Moses, den ich an dem Abend kennen lernte, mögen manche als Besonderheit betrachten. Andererseits könnte man das auch als selbstverständlich und nicht weiter erwähnenswert sehen, weil erst dann die Welt eine wäre, die… aber lassen wird das besser kurz vor der Trump-Präsidentschaft und kurz nach der Höcke-Rede. Im gleichen Sinne wäre es genauso erwähnenswert wie völlig selbstverständlich, dass die Dame, die den in Aachen gepflegten Mitternachtsschrei leitete, erstens dies sehr souverän tat und zweitens hernach ebenso souverän ein paar männlichen Korporierten demonstrierte, wie man so einen Bierjungen richtig trinkt. Schließen wir vielleicht das ganze noch mit dem hervorragenden arabischen Brunch am nächsten Morgen ab, dann hört bestimmt die letzte Nationalbuxe schon HIER auf zu lesen, obwohl HIER sowieso fertig ist – also HIER.

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Über trinkzwang

Das Buch:          Männer-WG mit Trinkzwang    ab 02.07.2012 im Handel "Nenn mich gern weiter Burschi. Ich für meinen Teil bin Sängerschafter. Wir singen manchmal auch vor dem Saufen."        Über die Zimmersuche landete ich 1989 in einer Studentenverbindung. Eigentlich wollte ich nur sechs Wochen bleiben, doch es sieht inzwischen so aus, als würde ein ganzes Leben daraus. Denn auf dem Haus gab es nicht nur ein billiges Zimmer, sondern auch immer etwas zu erleben - auch heute noch, wenn ich immer mal wieder da bin. Im Buch kommt viel Alkohol vor, zudem diverse Verbindungen unterschiedlicher Gattung, Trinkrituale, das Fechten, die Frage nach Historismus, Chauvinismus oder harmlosem "Trachtenverein", seltsame Typen, eine vernachlässigte Freundin, ein paar andere Frauen, ein Revoluzzer, die Uni, einige Kneipen, eine jamaikanische Gottheit, die Bands "Minor Threat" und "Fuck No!" und ein sehr schöner Baum.
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