Blut im Rücken

Auch in Nürnberg bereitet man sich Ende November bereits auf Weihnachten vor

Auch in Nürnberg bereitet man sich Ende November bereits auf Weihnachten vor

Am Tag direkt nach der Weihnachtsmarktlesung in Passau durfte ich mich davon überzeugen, dass es auch in Nürnberg eine Burschenschaft im Schwarzburgbund gibt. Ganz extrem genau genommen die „Die Burschenschaft Teutonia im Schwarzburgbund an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Sitz Nürnberg)“. Das Problem an solchen Terminplänen, die man manchmal etwas inexakt als „Doubleheader“ bezeichnet, ist, dass die Bilder verschwimmen – vor allem bei konstanter mittelmäßiger Alkoholisierung und einem knappen Jahr zeitlichen Abstands. Deswegen werden sich die lieben Nürnberger Teutonen mit einem kurzen Eintrag in diesem hinterher hinkenden Logbuch begnügen müssen, der nicht allzu viel mit ihnen oder dem Lesungsabend vom 28.11.2014 auf ihrem Haus zu tun hat. 

Erinnerlich geblieben ist mir vor allem der nächtliche Fußweg entlang der Auen des „Wöhrder See“ (nicht zu verwechseln mit dem „Wörthersee“, wie selbst Wikipedia schreibt), den die aufgestaute Pegnitz im Osten Nürnbergs bildet. Ein herrliches Gelände für Flaneure, Jogger, Hundehaufen, Gelegenheitsvergewaltiger und vermutlich auch Insektenaufzucht. Zu Erstern gehörte ich, Zweitere liefen in Massen umher, Vorletztere blieben bei meinem Anblick im Gebüsch und für Letztere war es im November zum Glück bereits zu kalt. Aber das war eigentlich schon das Ende des Abends und der nächste Morgen, an dem ich mein Auto wieder aus der Nachbarschaft der Teutonia zurückholen musste.

Garagentorwappen

Garagentorwappen

Bei Teutonia selbst habe ich, glaube ich, mein erstes Garagentorwappen gesehen. Und ich bitte darum, mir nun NICHT sämtliche bewappten Garagentore der Republik fotografisch zuzusenden, um mir klar zu machen, wie bemitleidenswert garagentowappenblind ich bisher durchs Leben gestolpert sei. Sollte das doch passiern, erkläre ich die Sache im Nachhinein zum Preisausschreiben, schließe den Rechtsweg im Vorhinein aus, behalte den Preis und setze meine Aufwände von der Steuer ab. Der Einsendeschluss ist übrigens der 26.10.1985, woraus man ein weiteres Preisausschreiben machen könnte, wenn die Lösung nicht kürzlich so entsetzlich breit getreten worden wäre.

Teutonenhaus

Teutonenhaus

Warum heißt denn der Eintrag aber nun „Blut im Rücken“? Hat das was mit der Dolchstoßlegende zu tun? Handelt es sich um eine schlimme Fehlbildung? Oder um eine schreckliche Verwechslung? Weit gefehlt. Der Fachmann mag es ahnen, dem Laien wird es unbegreiflich bleiben: es handelt sich um eine beim Bierjungen angewendete Technik, die mir in der Perfektion, wie ich sie in Nürnberg beobachten durfte, gleichermaßen unbekannt war wie bewappte Garagentore. Man gießt bei dieser Technik so viel Bier an den eigenen Mundwinklen vorbei, während man den Kopf extrem weit in den Nacken wirft, dass einem der Hemdrücken nach zügiger Leerung des Gemäßes bis zur Arschritze durchnässt sei. Unaufmerksame Bierspektanten mögen dies erst bemerken, wenn der Bierpaukant den Ort des Skandals verlässt oder ihnen anderweitig den Rücken zudreht, da die klassisschen „Blutspuren“ auf der Hemdbrust weitestgehend ausbleiben. 

Na, denn prost! 

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Über trinkzwang

Das Buch:          Männer-WG mit Trinkzwang    ab 02.07.2012 im Handel "Nenn mich gern weiter Burschi. Ich für meinen Teil bin Sängerschafter. Wir singen manchmal auch vor dem Saufen."        Über die Zimmersuche landete ich 1989 in einer Studentenverbindung. Eigentlich wollte ich nur sechs Wochen bleiben, doch es sieht inzwischen so aus, als würde ein ganzes Leben daraus. Denn auf dem Haus gab es nicht nur ein billiges Zimmer, sondern auch immer etwas zu erleben - auch heute noch, wenn ich immer mal wieder da bin. Im Buch kommt viel Alkohol vor, zudem diverse Verbindungen unterschiedlicher Gattung, Trinkrituale, das Fechten, die Frage nach Historismus, Chauvinismus oder harmlosem "Trachtenverein", seltsame Typen, eine vernachlässigte Freundin, ein paar andere Frauen, ein Revoluzzer, die Uni, einige Kneipen, eine jamaikanische Gottheit, die Bands "Minor Threat" und "Fuck No!" und ein sehr schöner Baum.
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