Bibeln bitte nur im Nebenraum werfen!

St. Stephan

Dom zu Passau

Ich veröffentliche diesen Blogeintrag wenige Tage nach den Angriffen in Paris. Zu tun hat dieser Blogeintrag mit den Attentaten und allen von ihnen ausgelösten Gedanken und Gefühlen rein gar nichts. Es war nur einfach höchste Zeit, das Blog fortzusetzen, und der Text war schon seit über einer Woche fast fertig. Einzig und allein das letzte Wort dieses Eintrags, auch wenn es sich hier aus gänzlich anderem Kontext ableitet, möchte ich gleichzeitig auf die Pariser Attentate beziehen.

Passau ist so eine Stadt, über die man sich auf jeden Fall im Vorfeld informieren sollte. Sonst steht man nämlich plötzlich zwischen diesen zwei Flüssen, stellt fest, dass es eigentlich drei sind, weiß nur, dass einer die Donau sein muss und wundert sich außerdem, dass eine so eindeutig alte Stadt eine eindeutig nicht allzu alte Uni hat. Letzteres gilt natürlich gleichermaßen für z.B. Konstanz und Ulm, aber das hatten wir hier teilweise erstens schon und zweitens weiß das geneigte LeserX das sowieso alles selber. Drittens werden Leser im weiteren Verlauf wegen ansonsten auftretender morphosyntaktischer Komplikationen unter dem generischen Maskulinum subsummiert.

Lesung oder Heavy Metal

Lesung oder Heavy Metal?

Trotzdem ist es in Passau natürlich recht hübsch. Vor allem wenn am 27.11. schon Weihnachtsmarkt ist, es deswegen überall Bratwurst gibt, mit der sich ein fahrender Autor verpflegen kann, und für den Abend diverse hochkarätige Kulturveranstaltungen zur Auswahl stehen. Nun, nicht wirklich zur Auswahl, denn zur eigenen Lesung sollte man wohl erscheinen. Das ist nicht ganz aber fast so verpflichtend wie das Erscheinen zur eigenen Geburt und Beerdigung und trägt außerdem entscheidend zum Gelingen der Veranstaltung bei. Ist auch nicht so schlimm, denn wenn ich ehrlich bin, mag ich die Variante von Heavy Metal, die nach dem Gewicht der metallenen Blasinstrumente benannt ist, nicht gar so sehr und erfreue mich am Weihnachtsmarkt ohne diese Beschallung vermutlich mehr als mit ihr. Auf jeden Fall ist es in Passau recht kuschelig, und die anderen beiden Flüsse heißen natürlich Inn und Ilz. Nur die Orientierung, welcher Donau und welcher Inn ist fällt dem flüchtigen Besucher manchmal schwer.

Flut

Zu einem Drittel ständig überflutet

Andererseits ist so eine zwischen Inn und Donau eingepferchte Altstadt, die zu einem Drittel ständig überflutet ist und zu einem anderen Drittel aus Dom und Weihnachtsmarkt besteht in ihrem verbleibenden Drittel natürlich ziemlich verwinkelt. Da ist so ein CV, selbst wenn er die einzige von 2-3 Korporationen der Stadt ist, in seinem Winkel zwischen Inn und Domnebenbauten gar nicht so leicht zu finden. Eigentlich besteht sogar die ganze Altstadt aus Domnebenbauten – mal abgesehen vom Dom an sich. Jedenfalls war ich so lange umher geirrt, bevor ich den K.D.St.V. Oeno-Danubia endlich fand, dass aus dem einen klemmenden Rad am Rollköfferchen mit den Büchern durch Abrieb auf dem Kopfsteinpflaster ein halbes klemmendes Rad geworden war.

im WInkel

Gefunden!

Ob es nun den Aktiven der Oeno-Danubia ähnlich ergangen war wie mir, und sie ihr eigenes Haus nicht gefunden hatten, weiß ich nicht. Jedenfalls fand die Lesung in netter aber eben sehr überschaubarer Runde am kleinen Kneiptisch mit Kerzenleuchter statt. Passau ist eben doch eine eher wenig korporationslastige Stadt. Eine, in der es auch mal vorkommt, dass gegen späteren Abend ein Corpsstudent beim CV vorbei schaut, was anderswo nahezu undenkbar wäre. Aber in Passau braucht der Curry hin und wieder ein paar CVer und einen zugereisten Sänger, auf dass sie ihm andächtig bei seinen Geschichten von doppelten Kastenjungen lauschen mögen. Der CVer mag sich bei solchen Gelegenheiten fragen, wie viele Todsünden man eigentlich durch Trinken eines Kastenjungens begeht. Der Sänger fragt sich schlicht und ganz in der Stille: „Warum?“

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Über trinkzwang

Das Buch:          Männer-WG mit Trinkzwang    ab 02.07.2012 im Handel "Nenn mich gern weiter Burschi. Ich für meinen Teil bin Sängerschafter. Wir singen manchmal auch vor dem Saufen."        Über die Zimmersuche landete ich 1989 in einer Studentenverbindung. Eigentlich wollte ich nur sechs Wochen bleiben, doch es sieht inzwischen so aus, als würde ein ganzes Leben daraus. Denn auf dem Haus gab es nicht nur ein billiges Zimmer, sondern auch immer etwas zu erleben - auch heute noch, wenn ich immer mal wieder da bin. Im Buch kommt viel Alkohol vor, zudem diverse Verbindungen unterschiedlicher Gattung, Trinkrituale, das Fechten, die Frage nach Historismus, Chauvinismus oder harmlosem "Trachtenverein", seltsame Typen, eine vernachlässigte Freundin, ein paar andere Frauen, ein Revoluzzer, die Uni, einige Kneipen, eine jamaikanische Gottheit, die Bands "Minor Threat" und "Fuck No!" und ein sehr schöner Baum.
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