Dem Ingenieur ist auch in Schweinfurt nix zu schwör

Gibt es den eigentlich noch, den Ingenieur, die Diplom-Inge? Oder ist der endgültig durch den Bachelor und, in Fällen seltener Hochbegabung, den Master ersetzt worden? Ich weiß es nicht, bin aber der Meinung das zwischen den beiden Links eine frappierende Ähnlichkeit rund um die Ohren feststellbar ist.

Was ich hingegen gerade noch weiß ist, dass ich am 5. April 2014 in Schweinfurt las. Und in Schweinfurt ist manches anders. Zwar habe ich keine Menschen mit seltsamen Ohren gesehen, die wahlweise mit Rosen oder Laserschwertern fuchtelten, aber schon allein die Tatsache, dass dort am 05. April bereits seit Wochen Sommersemesterbetrieb herrschte, muss dem Göttinger, Freiburger oder Münsteraner gar seltsam dünken. Aber so fleißig ist er eben, der Ingenieur, ob es ihn nun noch gibt oder nicht. Auf jeden Fall lesen sich die angebotenen Studiengänge an der FHWS, der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, sehr – wie soll ich sagen – angewandt. Nur das äußerst suspekte „Kommunikations-Design“ fällt da vielleicht ein wenig aus dem Raster. 

Kleines haus durch Autofenster (K.Hohage, Bits auf Datenträger, 2014)

Kleines Haus durch Autofenster (K.Hohage, Bits auf Datenträger, 2014)

In einem solchen Umfeld ohne Juristinnen, Germanistinnen und Medizinerinnen fristen ein paar Verbindungen ihr tristes Dasein. Was ich aber nur so formuliere, weil „fristen“ und „trist“ in dieser Redewendung immer so hübsch zusammen klingen. In Wirklichkeit steppt in Schweinfurt natürlich der Bär, fliegt die Kuh und tanzt der Papst im Kettenhemd. Korporationen wie die von mir belesene Technische Studentenverbindung Moeno-Ripuaria betreiben deswegen dort auch gleich zwei Häuser – eine bombastische ehemalige Industriellen-Tagungsstätte, die irgendwann für ein Butterbrot zu haben war und ein ursprüngliches, dagegen geradezu winziges Haus, das einstmals die Schweinfurter Pferdestraßenbahn beherbergte. 

Das mag der Autor

Das mag der Autor

Im Ledersessel der Tagungsstätte las es sich dann jedenfalls recht gediegen. Und im kleinen Hause trank es sich später noch recht gemütlich. Wären da nur nicht die beiden Waffenbrüder gewesen, die sich vor meinen Ohren mit Saufgeschichten demonstrativ überbieten zu müssen glaubten… Aber zum Glück eilte mir ein edler wenn auch kleiner Ritter zu Hilfe, der für sein merkwürdiges Kampfgewand, in dem er schon oft und zu verschiedensten Anlässen gesehen ward, landaus landein (oder zumindest in seinem Bund) bekannt ist – man nennt ihn „Decke“. Ritter Decke rettete mich zwar aus der besagten Belagerung, aber beim späteren Gang durch die Schweinfurter Nacht, vermochte auch er nicht, die Sperrstunde der allseits bereits geschlossenen Ingenieursgastronomien aufzuheben. So trollte ich mich denn in die mir zugewiesenen Räumlichkeiten im nahe gelegenen Hotel und überließ Schweinfurt den Ingenieuren.

PS: Das war eine sehr nette Sache in Schweinfurt, falls das jetzt nicht so geklungen haben sollte. Das muss ich jetzt mal hier noch, also, das muss halt auch mal, muss das, also mal gesagt werden, jawoll!

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Über trinkzwang

Das Buch:          Männer-WG mit Trinkzwang    ab 02.07.2012 im Handel "Nenn mich gern weiter Burschi. Ich für meinen Teil bin Sängerschafter. Wir singen manchmal auch vor dem Saufen."        Über die Zimmersuche landete ich 1989 in einer Studentenverbindung. Eigentlich wollte ich nur sechs Wochen bleiben, doch es sieht inzwischen so aus, als würde ein ganzes Leben daraus. Denn auf dem Haus gab es nicht nur ein billiges Zimmer, sondern auch immer etwas zu erleben - auch heute noch, wenn ich immer mal wieder da bin. Im Buch kommt viel Alkohol vor, zudem diverse Verbindungen unterschiedlicher Gattung, Trinkrituale, das Fechten, die Frage nach Historismus, Chauvinismus oder harmlosem "Trachtenverein", seltsame Typen, eine vernachlässigte Freundin, ein paar andere Frauen, ein Revoluzzer, die Uni, einige Kneipen, eine jamaikanische Gottheit, die Bands "Minor Threat" und "Fuck No!" und ein sehr schöner Baum.
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