Du hast Dich kein bisschen verändert, Blechschlampe.

Badens Farben

Badnerfahne auf Frankenhaus

Der Veranstaltungshinweis für die Lesung in Freiburg am 29.11.2014 war ein bisschen komplizierter als der für die Lesung genau ein Jahr zuvor, als ich auf dem Hause der „Ausassen“ gelesen hatte. Jetzt aber hatten mich Pennäler eingeladen. Und Pennälerverbindungen, also Schüler, können sich in der Regel von ihrem Taschengeld noch keine eigenen Häuser leisten. Daher fand die Lesung bei der PV Badenia zu Freiburg auf dem Haus der Burschenschaft Franconia zu Freiburg statt. Die Frage, ob man schon als Schüler korporiert sein sollte, wenn man sich eigentlich kein Haus und auch sonst nicht viel leisten kann, lassen wir hier besser weg. Ich finde ja, unter zwanzig sollte man zwar auch unbedingt schon üben, viel Bier zu trinken – aber bei Punk-Konzerten und während man Waldspielplätze randaliert oder sinnlos mit Pauschalbahntickets von Bahnhof zu Bahnhof brettert, ohne dabei irgendetwas von der Welt zu sehen außer Bahnhöfen und Dosenbier mit ausländischen Aufschriften. Aber jedem Korporiertchen sein Pläsierchen – auch den Schülern natürlich.

Autorenlager

Das Leben des reisenden Autors ist eines in Saus und Braus

Auf dem Haus der Franconia merkte man zwar nichts davon, dass der Gastgeber nicht der Hausherr war, dennoch entschied ich mich, bei derart unklaren Verhältnissen mein luxuriöses Nachtlager (Klappmatratze von 1972, Schlafsack von 1990) lieber auf besagtem „Ausassenhaus“ aufzuschlagen – und das war für den späteren Verlauf des Abends auch gut so. Die Lesung verlief ohne größere Zwischenfälle, wenn man mal davon absieht, dass immerhin eine korporationsferne Ex-Kommilitonin von mir mit einem korporationsfernen Bekannten da war. Das ist nicht weiter spektakulär, kommt aber leider selten genug vor, dass sich verbindungsbezügliche Skeptiker mal auf die von ihnen skeptisch betrachteten Häuser begeben. Das Ambiente schien ihr wohl auch ein wenig befremdlich – Ahnengalerien, Fahnen und mit Schnitzwerk verzierte Chargenstühle sind in Geologen-WGs nun mal selten – aber wie alle zuvor Ahnungslosen war auch sie hocherfreut ob des freundlichen und höflichen Umgangs auch oder gerade mit mützenlosen Gästen. Jedenfalls glaube ich, dass das so war. Bei irgendwem war das neulich zumindest so. Aber ist ja alles schon wieder so lange her.

adH alles wie immer

Dann wurde die Sache unstrukturiert.

Dann wurde die Sache unstrukturiert. Das mag an der ebenfalls anwesenden Sophie P. gelegen haben, die als Poetry Slammerin und Altherrentocher in einer Person schon gleich ähnlich verwirrend wirkt wie Badnerveranstaltungen auf Frankenhäusern (nicht zu verwechseln übrigens mit Baderveranstaltungen in Krankenhäusern). An der Frankenbar jedenfalls verbreiteten wir verschiedene Interpretationen ihrer Beziehung zu mir: Maitresse, Groupie, Tochter, Schwester, Geliebte meiner Frau, vorhin erst zugelaufen, persönliche Chronistin, Imageberaterin, etc. Abgesehen vom erstaunlich gewieften anwesenden Priester, einem Farbenbruder von der „Hermannia“ im CV, war man ob der Rolle von Frau P. hinreichend verwirrt. Es war also der optimale Zeitpunkt für einen Ortswechsel gekommen, wenn man das überhaupt so nennen kann, wenn man einmal schräg über die Straße geht und dann wieder bei „so Burschis“ landet, den Teutonen nämlich. Da waren die Cocktailparties allerdings früher auch mal besser oder jedenfalls besser besucht oder aber mir war’s früher egal wenn der Saal leer, so lange ich voll genug war. Aber immerhin erfuhr ich da von einem Waffenbruder, den ich gar nicht danach gefragt hatte, dass „Männer-WG mit Trinkzwang“ nicht wirklich literarisch wertvoll sei…“ Verdammt, da war ich seit anderthalb Jahren der Meinung mindestens ein zweites „Krieg und Frieden“ geschrieben zu haben und dann trifft man rein zufällig einen echten Experten und der sagt einem dann sowas. 

Na, Schlampe?!

Blechschlampe, du geiles Stück!

Nach dieser niederschmetternden Erkenntnis blieb mir nur die Suche nach Trost bei Alkohol und Frauen. Beides gab es zwar auch vor Ort, aber der bereits erwähnte Priester hatte mir besonders lustvolle Begegnungen einer weiteren Art versprochen, und so folgten Frau P. und ich dem Ruf auf das Haus der „Hermannia“. Dortselbst, trotz aktuellem gegenseitigem Hausverbot eingelassen, bat man mich in die oberen Stockwerke.

Plötzlich stand sie vor mir. Sie hatte sich kein bisschen verändert und es funkte sofort wieder zwischen uns. Nur wie und warum sie uns alle damals verlassen hatte, das erzählte sie mir nicht und es wusste auch sonst niemand zu berichten aus diesen uralten Zeiten…

Advertisements

Über trinkzwang

Das Buch:          Männer-WG mit Trinkzwang    ab 02.07.2012 im Handel "Nenn mich gern weiter Burschi. Ich für meinen Teil bin Sängerschafter. Wir singen manchmal auch vor dem Saufen."        Über die Zimmersuche landete ich 1989 in einer Studentenverbindung. Eigentlich wollte ich nur sechs Wochen bleiben, doch es sieht inzwischen so aus, als würde ein ganzes Leben daraus. Denn auf dem Haus gab es nicht nur ein billiges Zimmer, sondern auch immer etwas zu erleben - auch heute noch, wenn ich immer mal wieder da bin. Im Buch kommt viel Alkohol vor, zudem diverse Verbindungen unterschiedlicher Gattung, Trinkrituale, das Fechten, die Frage nach Historismus, Chauvinismus oder harmlosem "Trachtenverein", seltsame Typen, eine vernachlässigte Freundin, ein paar andere Frauen, ein Revoluzzer, die Uni, einige Kneipen, eine jamaikanische Gottheit, die Bands "Minor Threat" und "Fuck No!" und ein sehr schöner Baum.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Was so passiert abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s