Gibt’s doch gar nicht: Kein Regen in Münster und Bielefeld (überhaupt)

Wenn ich eines nicht aufgeben möchte, dann sind das meine verdeckt und/oder offen geführten Doppelleben. Das fing spätestens an der Uni zwischen Geologie-Kommilitonen und Sängerschaftern an. Die einen tranken unglaublich viel Bier, die anderen trugen Band und Mütze (ha, ha…). Jedenfalls standen sie sich in nichts nach, was das betrifft. Eigentlich waren sie sich auch sonst gar nicht so unähnlich. Nur dass eben die einen Bänder, Mützen und die „Burschis“ darunter nicht zu mögen meinten und die anderen weniger auf Hausbesetzung und Che-Guevara-Transparente beim Uni-Streik standen. Aber selbst das war nicht ausnahmslos verallgemeinerbar. Ungefähr diese beiden Welten waren auch in meinem Münster-Bielefeld-Münster-Trip Anfang November 2013 vertreten. Und damit meine ich nicht, dass ich in Münster (vor Bielefeld) beim CV gelesen habe und in Münster (nach Bielefeld) bei Landsern. Die letzteren beiden muss ich in diesem Fall leider über einen Kamm scheren, obwohl sie natürlich nicht über einen Kamm scherbar sind und ich das auch niemals täte, wenn ich zwischendurch nicht in Bielefeld gewesen wäre, obwohl es das ja gar nicht gibt.

Aber der Reihe nach. Zunächst war ich Mittwoch, den 06.11.2013 beim V.K.D.St. Saxonia zu Münster zur Lesung geladen. Ob des Datums wird auch dem Letzten klar, dass das hier der Natur eines Blogs nicht mehr ganz gerecht wird. Das Haus der Saxonia jedenfalls ist ein bisschen eigen gelegen, da zum einen etwas abgeschlagen von der Münsteraner Korpo-Kernzone und zum anderen gerade rund herum Versicherungsbürogebäude errichtet oder saniert werden. Allerdings ist auch das Haus selbst eher jüngeren Datums für eine Studentenverbindung. Leider habe ich hier die Fotodokumentation komplett versäumt, weil ich so froh war, das Haus zwischen Bürotürmen und Baustelle überhaupt gefunden zu haben. Drinnen war ich selbst dann gleich mal die Textil-Phritte, weil einziges männliches Wesen ohne Jackett. Aber der Künstler darf das – Ende der Diskussion. Wie hätte ich auch riechen sollen, dass Saxonia anscheinend das Münsteraner Äquivalent der „Arkynia“ aus diesem gewissen gelben Buch ist? Zumindest nach allgemeinem Jäckchenfaktor zu urteilen, der bei wiederum anderen CVen weit weniger hoch angesiedelt ist. Ein netter Abend war’s dann allemal. Nur dem Kassenwart des Altherrenverbandes schien ich die Korporationswelt nicht ernst genug zu nehmen, weswegen er vorzeitig verschwand. Meine Sorgen, dass das zu Problemen bei Spesen- und Honorarzahlung führen könnte, sind aber inzwischen entkräftet.

Irish

Die einen trinken sehr viel, die anderen tragen Bänder und Mützen…

Wechsel ins andere Leben. Slam 2013, Bielefeld. Die Stadt existiert – ich kann das bezeugen, auch wenn ich mich damit verdächtig mache, insgeheim für die Regierung tätig zu sein. Auf dem Weg dahin legen allerdings Landstraßen voller Traktoren und Holztransporter nahe, dass das waldige Ende der Welt nicht weit sein kann. Bielefeld selbst ist dann aber gar nicht so schlimm. Jedenfalls nicht so schlimm wie ich dachte und reiht sich diesbezüglich in meine positive Verwunderung angesichts Braunschweigs und Oberhausens ein, was aber vom Thema abschweift.
Also: Bielefeld, Slam 2013. Das ist ein bisschen wie Stiftungsfest (viele Menschen, vier Tage durchsaufen) und eben auch gar nicht (ganz andere Menschen, Bühnen, Publikum). Zwei Tage lang viele tolle Texte hören, manche nicht so tolle, eine Vorrunde moderieren, alte Bekannte treffen, manche vermissen, einigen erzählen wo man vorher war und hinterher hin fährt, anderen lieber nicht, Andy Strauß im Schlafanzug bestaunen, wieder abreisen bevor Zymny neuer Meister wird – Glückwunsch!

In Münster am 09.11. als Festredner gebucht bei  der Alten Münsterschen Landsmannschaft im CC „Rhenania“. Und wieder muss ich sagen: Freundschaftsbund zwischen CC und DS bestätigt. Sogar mein Fabulieren über das Verbindungsleben als großes Rollenspiel haben die Herren Waffenbrüder ausgehalten oder gar für nicht gänzlich uninteressant befunden. Mit Landsern passt das irgendwie immer ganz gut und mit Westfalen sowieso. Ein gemütlicher Kommers war das allemal. Wer sonst kann schon noch in dem alten Landgasthof feiern, in dem er sich 163 Jahre früher gegründet hat? Die Zimmer in der „Wienburg“ sind zwar ein bisschen angestaubt, aber sonst ist das ein urig-edles Etablissement, in dem man sich von Kommerstafel über Barsuff bis Frühstück wohlfühlen kann und eigentlich noch im Münsteraner Stadtgebiet trotzdem das Gefühl hat, mitten auf dem Land zu sein.

Gediegener Kommers

Gediegener Kommers

Trotzdem musste ich mich kurz nach Einsetzen einer spätnächtlichen Bierjungenphase auf meine unglaubliche Semesterzahl berufen und in der Horizontale meine augenlider nach inneren Verletzungen absuchen. Dem geneigte Blogleser mag aufgefallen sein, dass wir uns immerhin bis Zechtag vier vorgearbeitet haben, da kann das schon mal vorkommen, wenn man für die Ü30-Party langsam zu alt wird.

Tour ex.

Advertisements

Über trinkzwang

Das Buch:          Männer-WG mit Trinkzwang    ab 02.07.2012 im Handel "Nenn mich gern weiter Burschi. Ich für meinen Teil bin Sängerschafter. Wir singen manchmal auch vor dem Saufen."        Über die Zimmersuche landete ich 1989 in einer Studentenverbindung. Eigentlich wollte ich nur sechs Wochen bleiben, doch es sieht inzwischen so aus, als würde ein ganzes Leben daraus. Denn auf dem Haus gab es nicht nur ein billiges Zimmer, sondern auch immer etwas zu erleben - auch heute noch, wenn ich immer mal wieder da bin. Im Buch kommt viel Alkohol vor, zudem diverse Verbindungen unterschiedlicher Gattung, Trinkrituale, das Fechten, die Frage nach Historismus, Chauvinismus oder harmlosem "Trachtenverein", seltsame Typen, eine vernachlässigte Freundin, ein paar andere Frauen, ein Revoluzzer, die Uni, einige Kneipen, eine jamaikanische Gottheit, die Bands "Minor Threat" und "Fuck No!" und ein sehr schöner Baum.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Was so passiert abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s