Im Angesicht des Herrn

Ja, mein Gott! Bei Katholikens in Konstanz war ich ja auch. Irgendwann vor langer, langer Zeit im Februar diesen Jahres und genauer gesagt war das der K.d.St.V. Bodensee im CV. Bei Betbuxens war es tatsächlich ein bisschen anders als bei Territorialbuxens, Currys, Jodelbuxens und Buxenbuxens. Das fing schon mit dem Kneiplokal an, dessen Adresse da „Domschule“ lautete, die zum Gebäudekomplex des Konstanzer Münsters gehört. Über den liest man im einleitenden Absatz der Wikipedia übrigens „eine der größten romanischen Kirchen Südwestdeutschlands“, was mich immer ein bisschen schmunzeln lässt. „Eine der größten“ heißt meistens schon, dass es sich weder um die größte, noch die zweitgrößte vermutlich auch nicht die drittgrößte jeweils behandelte Entität ihrer Klasse handelt. Wenn dann noch eine Einschränkung auf ein Subterritorium hinzu kommt wie beispielsweise „Südwestdeutschlands“, wird es wirklich niedlich. Das grenzt an „der stärkste Mann aus dem Niebergallweg in Wetzlar, der Walter Napp heißt“, was sich eigentlich nur dadurch unterscheidet, dass es das Konstanzer Münster eindeutig gibt, aber in Wetzlar meines Wissens weder einen Niebergallweg noch einen Walter Napp.

Heiliger Boden, Highlander!

Heiliger Boden, Highlander!

In einer Domschule kneipt man unter einem lebensgroßen Christus am Kreuz. Daran scheint genau mir als genau gar nicht katholischem Menschen vor allem seltsam, dass das den katholischen Menschen nicht seltsam erscheint. Aber das verstehen wir Nicht-Katholiken wohl einfach nicht. Was mich davon ablenkte war, dass ich ganz unverhofft zwei Menschen traf, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Zum einen war das der Bierorgler der Konstanzer, den ich nach kurzem Nachdenken als Poetry-Slam-Kollegen identifizierte und zum anderen war das ein Corpsstudent, der schon durch diese Eigenschaft alleine nicht der wahrscheinlichste aller Gäste bei einer CVer-Kneipe war. Aber so arg viele Möglichkeiten hat der Korporierte in Konstanz mit seiner 1966 gegründeten „Reformuniversität“ nun mal nicht. Da geht dann der Curry anscheinend auch schon mal zum Betbuxen, auch wenn das in den meisten Städten mit vor 1900 gegründeten Universitäten so wahrscheinlich sein dürfte wie ein Grottenolm am Strand von Mallorca.

Man hatte in der Domschule keine Kommersbücher auf den Tischen sondern Gesangsheftlein mit einer besonderen Liedauswahl, bei der im Verlauf der Kneipe stattfindenden Burschung wurde nur ein Drittel der mir bekannten Biermenge getrunken, Fechtstrophen fielen aus den Liedern raus (gut, damit hatte ich gerechnet) und bis zum Ende des offiziellen Teils kam ich locker mit anderthalb Bier durch, ohne irgendwie schummeln zu müssen. Trotzdem war es ein netter nur eben nicht gerade exzessiver Abend, was ich aber mit Sicherheit nicht auf den CV verallgemeinert wissen will. Denn ich kenne durchaus Menschen und ganze Bünde aus diesem Dachverband, die sehr wohl exzessiv saufen und auch solche, die ganz bestimmt nicht nett sind, wie auch solche, auf die beides zutrifft und solche, auf die beides nicht dafür aber was ganz anderes zutrifft. Aber hier in Konstanz an der Reformuniversität schien man mir in alle Richtungen gemäßigt. Trotzdem kamen meine beiden 20-minütigen Leseeinheiten im inoffiziellen Teil des Abends ganz gut an und im Nachfeld, vor allem in der Bierdorfphase der Kneipe, konnte ich auch durchaus noch ein paar Kaltschalen nachlegen und es durfte in der Domschule dann sogar tatsächlich geraucht werden – jedenfalls wurde geraucht.

So richtig nachkneipenübliche Schlagseite hatte ich beim Verlassen der Domschule nicht. Aber wie soll man sich auch so richtig ordentlich die Lichter ausknipsen, wenn einem dabei die ganze Zeit der Heiland zuguckt? Da werde ich wohl mal ein paar Mönche aus den Klostern Andechs oder Weihenstephan befragen müssen…

Ich zitiere die Webseite des Deutschen Brauer Bund:
„Über den Bierverbrauch in den Klöstern liegen recht erstaunliche Angaben vor. Immerhin berichten die Chronisten, dass das Permit für den Bierverzehr jedes Klosterinsassen bei fünf Maß am Tag gelegen habe.“

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Über trinkzwang

Das Buch:          Männer-WG mit Trinkzwang    ab 02.07.2012 im Handel "Nenn mich gern weiter Burschi. Ich für meinen Teil bin Sängerschafter. Wir singen manchmal auch vor dem Saufen."        Über die Zimmersuche landete ich 1989 in einer Studentenverbindung. Eigentlich wollte ich nur sechs Wochen bleiben, doch es sieht inzwischen so aus, als würde ein ganzes Leben daraus. Denn auf dem Haus gab es nicht nur ein billiges Zimmer, sondern auch immer etwas zu erleben - auch heute noch, wenn ich immer mal wieder da bin. Im Buch kommt viel Alkohol vor, zudem diverse Verbindungen unterschiedlicher Gattung, Trinkrituale, das Fechten, die Frage nach Historismus, Chauvinismus oder harmlosem "Trachtenverein", seltsame Typen, eine vernachlässigte Freundin, ein paar andere Frauen, ein Revoluzzer, die Uni, einige Kneipen, eine jamaikanische Gottheit, die Bands "Minor Threat" und "Fuck No!" und ein sehr schöner Baum.
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