Tiefkneipen, Wagner, Wotan und Walküren

Franco-Palatia Bayreuth

Das eher jungeHhaus der Franco-Palatia

Zum Blogger muss man geboren sein. Ich bin es definitiv nicht. Jedenfalls nicht, wenn es darum geht, zeitnah zu berichten. Denn die letzte Lesung war am 10. Januar in der Wagnerstadt Bayreuth bei der Sängerschaft Franco-Palatia, was schon wieder so lange her ist, dass inzwischen eine ganze Kuhhaut voll Unglaublichem in der Welt passiert ist. Obama hat seine zweite Amtszeit offiziell angetreten, Frankreich ist wieder ins Kolonialgeschäft eingestiegen, Israel hat einen Fernsehmoderator ins Parlament gewählt, die FDP outet sich endlich als Partei der Sexisten (also nebst jener der Bonzen, Frauen, Männer, schwulen Außenminister, Ex-Fallschirmspringer und Philipp Röslers) und wir haben einen neuen Dschungelkönig.

Warum ich nie zum Bloggen komme, weiß ich eigentlich auch nicht. Denn als Korporierter liege ich bekanntlich nur auf meiner faulen(den) Haut herum, saufe, rauche altertümliche Pfeifen, verprasse mein selbstverständlich reichhaltiges Erbe und komme auf allerlei dumme Gedanken, die von weltweiten Verschwörungen, Unterwanderung der Nation und romantischem Firlefanz handeln, die ich dann in bierseligen Liedern zum Ausdruck bringe. Und selbstverständlich heißt mein Hund Wotan, mein Sohn Thor-Fafnir und mein neues Geschirr Walküre (Eins von dreien stimmt und hat mit dem hier behandelten Lesungsort zu tun. Gut aufgepasst? Dann schicken Sie jetzt eine SMS mit dem Wortlaut „Hängt“ an irgendwen, nur bitte nicht an mich!). Aber sowas ist allgemein bekannt und gilt natürlich vom Corpstudent bis hin zum Sondershäuser Verband.

Jean-Paul-Bier

Jean-Paul-Bier

Dabei war es doch auch in Bayreuth wieder sehr hübsch. Kalt zwar, aber so lange man wenigstens im Wintergarten dieses ersten mir begegneten fast rauchfreien Verbindungshauses noch rauchen darf, ist das ja für eine Lesung nicht gar so schlimm. Zunächst sah es so aus, als würde sich nicht viel Publikum zur Lesung einstellen. Aber dann kamen doch ca. 40-50 Menschen hübsch gemischter Dachverbände zusammen. An mindestens Sänger, DB-Buxen (unter anderem einer, der beim Schreiben seines Vornamens immer eine Halbzeitpause einlegen muss) und Koesener Currys kann ich mich erinnern, der Rest möge mir verzeihen. Auf jeden Fall haben die Verbandsbrüder Franco-Palatiae ein großes Lob für die Gesamtgastgeberqualitäten verdient. Hausführung, Stadtführung, Bratwurstgutscheine und ein Sechserträger leckersten Jean-Paul-Bieres haben große Teile des angehängten Familienwochenendes auf dem Bauernhof in der ländlichen Umgebung hübsch ausgefüllt. Aber so gebührt das natürlich einem (mir), der am selben Tag Geburtstag hat wie der Mann, an den die meisten Menschen bei der Erwähnung Bayreuths denken, und der sozusagen zum Auftakt des 200. Geburtsjahres des co-natalen (oder so) Richard W. in der Stadt Lesung hält…

"TIEFKNEIPE DER DS3.12.1989 Andreas Z!

„TIEFKNEIPE DER DS
3.12.1989
Andreas Z!

Mein persönlicher Höhepunkt war aber eine zufällige korporations-archäologische Entdeckung. Wir stellen uns vor, wir heißen Andreas, gehören der Sängerschaft Franco-Palatia an, sind vermutlich noch junger Aktiver, die Mauer ist gerade geöffnet worden, Trabis fluten die deutschen Autobahnen und in Bayreuth ist DS-Kneipe. Wir befinden uns längst im inoffiziellen Teil und sitzen mitsamt der ganzen Corona und reichliche Bier unter den Tischen, denn es ist Tiefkneipe ausgerufen in der Nacht vom 3. auf 4.12.1989. Das verändert mit Sicherheit nicht die Welt und ich weiß auch nicht, wer Andreas ist. Aber als ich das Foto der Tischunterseite im Raucherwintergarten machte, sah ich das alles ziemlich bildlich vor mir. Das hat mir Spaß gemacht und mich daran erinnert, warum ich eigentlich damals Sängerschafter geworden und geblieben bin – einzig und allein wegen der Tief- und Hochkneipen natürlich…

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Über trinkzwang

Das Buch:          Männer-WG mit Trinkzwang    ab 02.07.2012 im Handel "Nenn mich gern weiter Burschi. Ich für meinen Teil bin Sängerschafter. Wir singen manchmal auch vor dem Saufen."        Über die Zimmersuche landete ich 1989 in einer Studentenverbindung. Eigentlich wollte ich nur sechs Wochen bleiben, doch es sieht inzwischen so aus, als würde ein ganzes Leben daraus. Denn auf dem Haus gab es nicht nur ein billiges Zimmer, sondern auch immer etwas zu erleben - auch heute noch, wenn ich immer mal wieder da bin. Im Buch kommt viel Alkohol vor, zudem diverse Verbindungen unterschiedlicher Gattung, Trinkrituale, das Fechten, die Frage nach Historismus, Chauvinismus oder harmlosem "Trachtenverein", seltsame Typen, eine vernachlässigte Freundin, ein paar andere Frauen, ein Revoluzzer, die Uni, einige Kneipen, eine jamaikanische Gottheit, die Bands "Minor Threat" und "Fuck No!" und ein sehr schöner Baum.
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