Über Stock und Stein in Marburg

Das Parkplatz-Shuttle – Ein Fahrersitz, 1-2 Stehplätze und eine offene Ladefläche

Mann, mann, mann…das ist ja auch schon wieder zwei Wochen her und die nächste Lesung in Freiburg ist schon in ein paar Tagen. Über so einen SLAM 2012 geht einem so einiges andere durch die Lappen. Wird höchste Zeit die Abenteuer in den Wäldern von Marburg zu bloggen.
Denn um die Landsmannschaft Hasso-Borussia in Marburg zu besuchen, riet man mir beim Clausthaler Wingolf zu parken. Das schien geographisch auf den ersten Blick wenig Sinn zu ergeben. Da es sich aber um den Clausthaler Wingolf zu Marburg handelte, der weiter oben am Berg gelegen als die Hasso-Borussia einen großzügigen Parkplatz zur Verfügung hat, was an eben diesem Berg keine Selbstverständlichkeit ist, parkte ich also das Auto mit Bücherkiste (die von Rowohlt empfohle Buchhandlung „Roter Stern“ hatte mir aus unerfindlichen Gründen in Sachen Betreuung der Lesung nie geantwortet…) und mitgebrachtem Anzug darin dort. Wenige Minuten nach meinem Anruf bei Hasso-Borussia knatterte das Parkplatz-Shuttle auf mich zu. Ich entschied spontan, meinen ungeschütz auf dem Bügel hängenden Anzug doch lieber im Auto zu lassen und nicht auf die nieselberegnete Ladefläche zu den Gartenmüllresten zu legen…

Die Abkürzung von Clausthal nach Marburg

Den Weg, den wir mit dem Agri-Dingsbums in kürzester Zeit überholperten, konnte ich erst am nächsten Tag sehen, da der Scheinwerfer des Agri-Dingsbums kürzlich seinen Geist aufegeben hatte. Um mich auf meinem Trittbrettstehplatz halbwegs ordentlich festhalten zu können, fuhr ich außerdem rückwärts. In diesen 1-2 Minuten wusste ich endlich, worauf mich viele Jahre zuvor die Reisen in indischen Bussen durch Vorgebirge des Himalaya und Fahrten in überladenen Jeep-Sammeltaxis und Tuc-Tucs in gleichen Breiten vorbereiten wollten. Nur musste ich dem Waffenbruder zum Ende der Fahrt keine 50 Rupien in die Hand drücken und es reisten auch weder Ziegen noch singende Krishna-Anbeter mit uns. Unter anderen Umständen wäre die verletzungsfreie Beförderung mit diesem Gerät bei völliger Dunkelheit allerdings auf jeden Fall ein großzügiges Bakschisch wert gewesen.

Hier war kurz zuvor noch voll, ich war’s kurz danach

Aber zwei Minuten Ängste und Strapazen waren die Sache wert. Mit etwa siebzig bis achtzig Anwesenden stellte die folgende Lesung, für die man mir einen wunderschönen Lesethron erbaut hatte (leider ohne Foto), den bisherigen Publikumsrekord auf. Da war von Landsern über Buxen und Currys bis CV, Wingolf und sogar SV so ziemlich alles vertreten. Nur leider wiederum wenig „Zivilisten“, obwohl ich auf ein paar Kollegen aus der Marburger Poetry Slam Szene gehofft hatte – aber die waren vielleicht abends um acht gerade erst mit dem Frühstück fertig oder mussten selber noch schnell einen Roman fertig schreiben.

Über so eine Lesung an sich gibt es letztlich wenig zu sagen. Was man sagen könnte würde vor allem der nächsten etwas vorweg nehmen und das will man natürlich nicht. Den mehrheitlich anwesenden Vertretern des Coburger Conventes (also Landsmannschafter und Turnerschafter) musste ich auch leider mitteilen, dass ich über sie im Buch wenig Spektakuläres geschrieben habe, weil ich sie vor allem als umgängliche Zeitgenossen kennengelernt habe – und das gibt viel weniger her als beispielsweise pflicht-arrogante Currys, obwohl die zwei anwesenden Exemplare der Kösener das gar nicht zu erfüllen schienen.
Interessant wird es auf Korporationshäusern vor allem nach der Lesung am Thresen. Da gäbe es aus Marburg so einiges zu erzählen wie zum Beispiel vom persisch-landsmannschaftlichen Betreiber des Marburger Brauhauses oder von der netten SV-seitigen Einweisung in Marburger Farben und zugehörige Charakterprofile. Letztere erwiesen sich jedenfalls als äußerst treffend, was die Marburger DB-Burschenschaften betrifft, derer Vertreter drei ich am Thresen wahrnahm – drei Herren aus drei unterschiedlichen Marburger Burschenschaften. In einem längeren und ein paar weniger langen Wortwechseln mit diesen offenbarte sich möglicherweise ein großer Teil des Spektrums des Dachverbandes „Deutsche Burschenschaft“:
Einer war ein bulliger aber sympathischer und augenscheinlich gutmütiger Typ, der zwar einen hübschen Schmiss hatte, aber auch im Gespräch ein liebenswerter Kerl zu sein schien.
Einer sah aus wie der Prototyp eines Stammtisch-Rassisten und gab sich auch in der Diskussion betont und unumstößlich völkisch.
Ein weiterer gab nichts derart offen Anstößiges von sich, hatte aber insgesamt den Habitus eines rechts-intellektuellen Brandstifters, dem man niemals den rethorischen Rücken zu drehen sollte.

Fass

Haus mit eigenem Fass

Genau so lasse ich diesen personifizierten Eindruck der DB jetzt mal stehen und sage: ich bin gespannt aufs Wochenende.

Und nicht vergessen: die netten Jungs in deren 17-Zimmer-mit-mehreren-Sälen-Großküche-und-eigenem-Weinfass-Villa ich gelesen habe waren keine „Burschis“, das waren Landser – und das Landsknechtleben ist ja bekanntlich ein lustiges. Außerdem haben die mir Whisky geschenkt – das sind die Guten!

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Über trinkzwang

Das Buch:          Männer-WG mit Trinkzwang    ab 02.07.2012 im Handel "Nenn mich gern weiter Burschi. Ich für meinen Teil bin Sängerschafter. Wir singen manchmal auch vor dem Saufen."        Über die Zimmersuche landete ich 1989 in einer Studentenverbindung. Eigentlich wollte ich nur sechs Wochen bleiben, doch es sieht inzwischen so aus, als würde ein ganzes Leben daraus. Denn auf dem Haus gab es nicht nur ein billiges Zimmer, sondern auch immer etwas zu erleben - auch heute noch, wenn ich immer mal wieder da bin. Im Buch kommt viel Alkohol vor, zudem diverse Verbindungen unterschiedlicher Gattung, Trinkrituale, das Fechten, die Frage nach Historismus, Chauvinismus oder harmlosem "Trachtenverein", seltsame Typen, eine vernachlässigte Freundin, ein paar andere Frauen, ein Revoluzzer, die Uni, einige Kneipen, eine jamaikanische Gottheit, die Bands "Minor Threat" und "Fuck No!" und ein sehr schöner Baum.
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