Tour de Corps

Am 26. und 27. Oktober hatte ich quasi eine kleine „Tour de Corps“. Von Weinheim aus (eigene Behausung) zu den beiden Weinheimer Corps Thuringia Heidelberg und Chattia Darmstadt.
Zum Glück hatte ich die Heidelberger Thüringer kurz vorher noch im Netz nachgeschlagen und festgestellt, dass es sich um ehemalige Verbandsbrüder, also eine frühere Sängerschaft handelt, die erst 1976 wegen beidseitigen Personalmangels mit einem Corps fusionierte und dadurch Corps wurde, während man den Namen der ehemaligen S!Thuringia beibehielt – vereinfacht gesagt. Man teilt sich dadurch sogar den einen oder anderen Alten Herren.

Es war mehr als nett auf beiden Häusern und jeweils ein Publikum von 40-50 Menschen, gemischt aus aktiven Waffenbrüdern (WSC und andere Verbände), Alten Herren, hübschen Damen (in Darmstadt darunter sowohl meine Frau als auch meine Ex-Freundin anno 1986/87) und „Zivilisten“ anwesend. Darunter auch je ein mir anderweitig befreundeter Nichtkorporierter. In Heidelberg ein Arbeitskollege, in Darmstadt (eigene Aufzucht) einer meiner ältesten Freunde. Vor allem der Arbeitskollege kannte die Mützenszene bis dato noch kaum. Nach zehn Minuten auf dem Haus der Thüringer merkte er an „Selten so viele nette und höfliche Menschen auf einem Haufen getroffen.“ Später in der Nacht bei Diskussionen über historisches Wachsen verschiedener Staaten, sehr verschiedene Ideen von Nation, usw. fiel ihm dann auf „Warum musste ich erst hier hin kommen, um endlich mal wieder ein richtig gutes Gespräch zu führen?“. Und ich möchte anmerken, dass der Kollege aus dem Ruhrpott (eigene väterliche Herkunft) stammt – da sagt man sowas nicht, wenn man sowas nicht meint.

Und wenn wir gerade bei geradeherausigen Kollegen aus dem Pott sind, möchte ich festhalten, dass natürlich zur Lesung auf Häusern immer genau die Passagen aus dem Buch gehören, in denen der gastgebende Dachverband ein paar auf die Löffel bekommt. Bei Corps wären das zum Beispiel Abschnitte in denen Aussagen vorkommen wie:
“ ‚… Oder ein schönes Schmalzbrot. Haben die Schmalzbrote, die Currys? Sach mal, was machen wir hier eigentlich? Wenn die sowieso nie aufmachen?‘
Ich erklärte ihm, man müsse sich das eben immer wieder bestätigen, dass die Currys nie aufmachen, wenn Couleurbesuch vor der Tür steht. Deswegen müsse man immer mal klingeln und den Einlass verweigert bekommen – vorzugsweise zwischen null und sechs Uhr morgens, weil das die einzige korrekte Couleurbesuchszeit sei.“

Corps Chattia - Villa Morneweg

Corps Chattia – Villa Morneweg

Aber das haben sie gut weg gesteckt und sich gar noch amüsiert, die Currys in Heidelberg und in Darmstadt.
Kein Wunder! Was soll man sich auch über den Jodelbuxen oder sonst irgendwen aufregen, wenn man z.B. in Darmstadt auf Häusern wie der „Villa Morneweg“ wohnt?

Fazit: ich freue mich auf ein paar Wiedersehen im nächsten Jahr auf dem Weinheimer Marktplatz.

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Über trinkzwang

Das Buch:          Männer-WG mit Trinkzwang    ab 02.07.2012 im Handel "Nenn mich gern weiter Burschi. Ich für meinen Teil bin Sängerschafter. Wir singen manchmal auch vor dem Saufen."        Über die Zimmersuche landete ich 1989 in einer Studentenverbindung. Eigentlich wollte ich nur sechs Wochen bleiben, doch es sieht inzwischen so aus, als würde ein ganzes Leben daraus. Denn auf dem Haus gab es nicht nur ein billiges Zimmer, sondern auch immer etwas zu erleben - auch heute noch, wenn ich immer mal wieder da bin. Im Buch kommt viel Alkohol vor, zudem diverse Verbindungen unterschiedlicher Gattung, Trinkrituale, das Fechten, die Frage nach Historismus, Chauvinismus oder harmlosem "Trachtenverein", seltsame Typen, eine vernachlässigte Freundin, ein paar andere Frauen, ein Revoluzzer, die Uni, einige Kneipen, eine jamaikanische Gottheit, die Bands "Minor Threat" und "Fuck No!" und ein sehr schöner Baum.
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Eine Antwort zu Tour de Corps

  1. Claus schreibt:

    Ich kann bestätigen, dass dies alles der Wahrheit entspricht, auch und im besonderen die Zitate 😉 Das einzig bizarre war eigentlich, dass es fast keinen Nicht-Farbenträger (kann man das so sagen?) interessiert hat, wie die gängigen Vorurteile, die Darstellung im Buch und die Realität zusammenpassen.

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