Zitat-Leak: „Was für ein schlechter und tendenziöser Artikel“


[Begin-Leak]Das Zitat aus dem Titel stammt von einem Korporierten aus einem Online-Forum, in dem sich ebensolche tummeln und bezieht sich auf einen Artikel auf Cicero.de vom 10.07.2012: „Ehre, Freiheit, Vaterland!“[Leak-End]


Dieser Aussage („…schlechter…Artikel“) muss ich einerseits widersprechen und stimme ihr andererseits voll und ganz zu.
Wieso?
Weil der Artikel hervorragend das tut, was er tun will. Er klagt nämlich nur sehr indirekt an, wenn man von den letzten Abeschnitten einmal absieht. Bis dahin aber erzeugt er gekonnt auf unterschwellige Weise beim Leser eine ablehnende Haltung gegenüber den zitierten Korporierten. Da ist ein Lächeln „bemüht“, eine Hausführung „nicht ganz freiwillig“ und im Angesicht der Presse stehen auf einer Stirn „Schweißperlen“. Da hat eindeutig einer etwas zu verbergen – das muss man gar nicht direkt aussprechen. Gekonnt ist auch das Detail, den „Rechtsextremismus“ in die URL zu schreiben, nicht aber in den Text des Artikels. Glückwunsch also zur gekonnten Beeinflussung der Leser!


Schlecht ist der Artikel in der Hinsicht, dass er z.B. nicht besonders originell ist. Er haut in eine immer und derzeit mal wieder besonders opportune Kerbe: Verbindungen alle rechts, alle böse. Dass das ein Vorurteil schürt und bekräftigt, das – wie bei Vorurteilen allgemein üblich – nur für einen Teil der Objekte/Subjekte gilt, auf die es sich bezieht, ist egal. Relativierendes macht sich in der Presse nicht gut, Polarisierendes ist gefragt. Was das betrifft, gibt sich ein Cicero anscheinend mit einer BILD rein gar nichts. Warum der Artikel auch noch in anderen Details schlecht oder unrichtig sein mag, ist da schon egal.


Eines aber muss sich die ganze Verbindungswelt fragen: Warum wird fast immer nur über uns berichtet, wenn es darum geht, die Rechten oder die zumindest Ewiggestrigen in uns zu zeigen? Irgendwo las ich mal den vermutlich fiktiven Dialog (sinngemäß):
A: Warum berichtet man immer nur über uns, wenn es Auffälligkeiten am rechten Rand gibt?
B: Naja, sonst macht ihr halt nichts Interessantes.

Aus einer solchen Wahrnehmung kommt man nur heraus, wenn man erfolgreich darstellt, was man Interessantes tut oder zumindest was man tut. Solange man sich nur damit beschäftigt, darzustellen, was man nicht ist oder tut, befeuert man die Themen, für die man nicht mit anderen in einen Sack gesteckt werden möchte.

 

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Über trinkzwang

Das Buch:          Männer-WG mit Trinkzwang    ab 02.07.2012 im Handel "Nenn mich gern weiter Burschi. Ich für meinen Teil bin Sängerschafter. Wir singen manchmal auch vor dem Saufen."        Über die Zimmersuche landete ich 1989 in einer Studentenverbindung. Eigentlich wollte ich nur sechs Wochen bleiben, doch es sieht inzwischen so aus, als würde ein ganzes Leben daraus. Denn auf dem Haus gab es nicht nur ein billiges Zimmer, sondern auch immer etwas zu erleben - auch heute noch, wenn ich immer mal wieder da bin. Im Buch kommt viel Alkohol vor, zudem diverse Verbindungen unterschiedlicher Gattung, Trinkrituale, das Fechten, die Frage nach Historismus, Chauvinismus oder harmlosem "Trachtenverein", seltsame Typen, eine vernachlässigte Freundin, ein paar andere Frauen, ein Revoluzzer, die Uni, einige Kneipen, eine jamaikanische Gottheit, die Bands "Minor Threat" und "Fuck No!" und ein sehr schöner Baum.
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