Immer mal wieder die AntiFa

AntiFa
Eins sei gleich vorneweg gesagt:
Ich habe viel mehr gegen Faschisten als gegen Antifaschisten.
Nur frage ich mich bei gewisser Lektüre oft, ob die Hirnstrukturen der Mitglieder dieser scheinbar völlig gegensätzlichen Gruppierungen sich wirklich grundsätzlich unterscheiden. Ein hübsches Beispiel dafür lieferte gestern ein Aufruf unter dem altbewährten Titel „Fang den Hut“ (gääähn) der Antifaschisten aus Freiburg. Ich habe kurz überlegt, ob ich den Link auf die Seite „Artikel rund ums Thema“ aufnehmen soll, mich aber dagegen entschieden. Hier sind ansonsten Beiträge aus der WELT und dem Spiegel verlinkt, und für deren Journalisten wäre es wegen der schieren Sprachqualität eine Beleidigung, diesen im Deutschunterricht mit 4- zu beurteilenden Text dort einzureihen. Aber auf sprachlichen Fehlern herumzuhacken ist genauso billig wie die rhetorische Finte, das erst zu tun und es dann selbst für billig zu erklären. Also lassen wir das.

Was mich aber immer wieder erstaunt ist, dass sich manche Menschen tatsächlich für eine neue Spezies zu halten scheinen – eine Spezies, die völlig frei vom Prinzip des Vorurteils ist, obwohl das doch die grundlegendste Funktionsweise unseres Gehirns ist: „Aha, so was mit vier Rädern dran wie das da drüben habe ich schon mal gesehen. Man nannte es damals Auto. Es konnte fahren. Vermutlich kann das hier auch fahren.“
Dumm ist nur, dass Artikel wie der verlinkte so unglaublich offensichtlich mit Vor- und Pauschalurteilen arbeiten, dass es schon kaum noch witzig, eher peinlich ist, dass sie sich gleichzeitig inhaltlich gegen vermeintliche Diskriminierung und Vorurteile wenden. Auf den restlichen Inhalt will ich gar nicht eingehen. Aber unter anderem passiert in dem Text Folgendes:

  • Dass viele Verbindungen sich zunehmend deutlich von rechtsextremen Tendenzen anderer distanzieren, wird mittels eines einzigen Beispiels widerlegt (genau ein Mensch in genau einem CV) – Beweis der Allgemeingültigkeit somit geführt – Glückwunsch!
  • Aus Fuxentum und der Tatsache, dass nicht jede(r) in jede Verbindung eintreten kann, wird Elitenbildung (mag ja noch angehen) und hierarchische innere Organisationsstruktur abgeleitet. Vor allem letzteres ist gegenüber geradezu zwanghaft demokratischen Organisationen, deren „Führung“ halbjährlich wechselt geradezu schnuckelig.
  • Und dann sind wir auch noch geprägt von einem “ heterosexuellen Geschlechterbild“…Scheiße…ist das ansteckend? Ich dachte, die ganze Welt, nicht die Studentenverbindungen allein, seien von diesem “ heterosexuellen Geschlechterbild“ sowohl geprägt als auch gezeugt. Mein Geschlechterbild ist auf jeden Fall heterosexuell – bin ich also nur deswegen in einer Verbindung gelandet? Weil ja die Welt um uns Vorvorgestrige außen rum ein ganz anderes Bild hat?

Liebe Freunde von der AntiFa:
Ja, ich habe ein heterosexuelles Weltbild UND ich habe Freunde, die schwul sind. Bekannte, die lesbisch sind, habe ich auch. Kollegen, die eins von beidem sind auch. Und ich mache keine Witze über sie, behalte aber dennoch MEIN heterosexuelles Weltbild. Und nur weil ich gelegentlich einer Frau ein klein wenig bevorzugter die Tür aufhalte als einem Mann, bin ich noch lange kein Sexist – und auch nicht homophob. Ich habe sogar Freunde, die antifaschistisch aktiv sind. Da es sich aber um ein paar der denkenden Exemplare handelt, die ich gemeinhin als Freunde bevorzuge, schaffen sie es trotzdem meine Freunde zu sein.
Kriegt Ihr das hin? Oder ist das zu viel für Euch?
Baut Ihr mal Eure Klischees ab oder fragt Euch, ob Ihr nicht vor allem gegen Euch selber sein müsstet. Und jetzt gute Nacht!

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Über trinkzwang

Das Buch:          Männer-WG mit Trinkzwang    ab 02.07.2012 im Handel "Nenn mich gern weiter Burschi. Ich für meinen Teil bin Sängerschafter. Wir singen manchmal auch vor dem Saufen."        Über die Zimmersuche landete ich 1989 in einer Studentenverbindung. Eigentlich wollte ich nur sechs Wochen bleiben, doch es sieht inzwischen so aus, als würde ein ganzes Leben daraus. Denn auf dem Haus gab es nicht nur ein billiges Zimmer, sondern auch immer etwas zu erleben - auch heute noch, wenn ich immer mal wieder da bin. Im Buch kommt viel Alkohol vor, zudem diverse Verbindungen unterschiedlicher Gattung, Trinkrituale, das Fechten, die Frage nach Historismus, Chauvinismus oder harmlosem "Trachtenverein", seltsame Typen, eine vernachlässigte Freundin, ein paar andere Frauen, ein Revoluzzer, die Uni, einige Kneipen, eine jamaikanische Gottheit, die Bands "Minor Threat" und "Fuck No!" und ein sehr schöner Baum.
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