Studentenverbindungen occupy Frankfurt?

Es riecht nach Spaltung in der Deutschen Burschenschaft:
Streit um rechte Tendenzen bei Burschentag eskaliert
Da bekommt vermutlich die neueDB mächtig Zulauf, denn die haben ganz vorne auf ihrer Seite stehen:

„Wir wollen ein Deutschland, das alle Menschen, die hier aufwachsen, gerne und mit Stolz als ihr Vaterland betrachten. Niemand soll an seiner Abstammung gemessen werden, sondern an seinem Handeln und seinen Idealen.“

Und das klingt doch nun wahrlich völlig in Ordnung, wenn man nicht zu denen gehört, die sich schon ekeln, nur weil einer so schlimme Wörter wie „Stolz“ oder „Vaterland“ oder gar beide in einem Satz benutzt. Wenn man aber schön ordentlich liest, dann steht da, dass jeder – egal wie er oder sie aussieht, wo her kommt oder wie heißt – stolz (pfui) sein können soll. Und das klingt doch nun wahrlich völlig in Ordnung, wenn man nicht … aber lassen wir das.

Ich für meinen Teil bin immer noch Sängerschafter – weder in der „altenDB“, die sich gerade zerfleischt, noch in der neuenDB, die schon 1996 erkannte, dass die DB manchmal ziemlich seltsam tickt. Eigentlich habe ich also damit gar nichts zu tun … oder? Wenn nun aber aus der zerbröselnden DB ganz neue Dachverbände oder freibeuterisch, piratenartig einzeln schippernde, dachverbandslose Burschenschaften hervorgehen sollten, die mal wieder ganz von vorne anfangen können, dann wäre das schon spannend. Werden solche sich am Ende gar auf die ursprünglichen Ideen des Verbindungsstudententums besinnen? Werden sie wieder bewaffnet durch die Straßen ziehen und ein mündiges Bürgertum gegen die Fürsten vertreten? Werden sie der Occupy-Bewegung beitreten? Oder wenigstens Attac?
Und, viel spannender noch, wird man sie dort haben wollen? Denn am Bildungs-Streik 2009 durfte lt. Streikkomitee kein als solcher erkenntlicher „Burschi“ teilnehmen (damit war ich als Sängerschafter dann wiederum eingeschlossen). Wo kämen wir denn da auch hin, wenn so’ne elitären Mützentypen plötzlich auch für ein freies Studium wären? Oder wenn sie gar behaupten würden, dass sie dafür schon vor 200 Jahren eingetreten sind? Richtig, daran scheinen sich viele der Herren (und ein paar weniger aber auch Damen!) Farbenbrüder (und ein paar weniger aber auch -schwestern) heute nicht mehr zu erinnern, aber:
Wir waren mal gegen „die da oben“ – nicht mit ihnen.

Aber vielleicht, wenn die Zeiten so weiter laufen und man den Bürger (ja, is gut: und die Bürgerin) immer weiter entmündigt, dann merken wir vielleicht wieder, wofür die Säbel einst gut waren: sich zu wehren gegen die Häscher der Oberen und für die Freiheit!

PS: Im Buch rufe ich ein bisschen weniger zur 2048er-Revolution auf. Dafür stehen da viel mehr Sauf- und Kiffgeschichten drin als in diesem Blog bisher. Aber wenn hier nur das stünde, was dann auch im Buch steht, wär’s ja auch voll langweilig, oder?

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Über trinkzwang

Das Buch:          Männer-WG mit Trinkzwang    ab 02.07.2012 im Handel "Nenn mich gern weiter Burschi. Ich für meinen Teil bin Sängerschafter. Wir singen manchmal auch vor dem Saufen."        Über die Zimmersuche landete ich 1989 in einer Studentenverbindung. Eigentlich wollte ich nur sechs Wochen bleiben, doch es sieht inzwischen so aus, als würde ein ganzes Leben daraus. Denn auf dem Haus gab es nicht nur ein billiges Zimmer, sondern auch immer etwas zu erleben - auch heute noch, wenn ich immer mal wieder da bin. Im Buch kommt viel Alkohol vor, zudem diverse Verbindungen unterschiedlicher Gattung, Trinkrituale, das Fechten, die Frage nach Historismus, Chauvinismus oder harmlosem "Trachtenverein", seltsame Typen, eine vernachlässigte Freundin, ein paar andere Frauen, ein Revoluzzer, die Uni, einige Kneipen, eine jamaikanische Gottheit, die Bands "Minor Threat" und "Fuck No!" und ein sehr schöner Baum.
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